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Ayurveda wird oft unmittelbar mit Reinigungs- und Entschlack- ungskuren
in Verbindung gebracht. Doch sind solche Kuren schon die tiefgreifendsten
Maßnahmen zur Reinigung des Organismus. Grundlegender sind
eigentlich die in den Alltag integrierten Ernährungsregeln,
die vor allem das "Verdauungsfeuer" stärken und somit
der Bildung von Schlacken täglich entgegenwirken sollen.
Ein Körper, der scheinbar "nur" nach einer Reinigung
und Entschlackung bedarf, ist nach ayurvedischer Auffassung bereits
krank. Seine Symptome werden den ersten beiden Graden einer sechs-
stufigen Krankheitsentwicklung zugeordnet. Wird hier nicht kausal
behandelt, schreitet die Krankheit schleichend fort, bis sie in
einen chronischen Zustand übergeht. Nach Auffassung des Ayurveda
ist der Mensch gesund, dessen Physiologie (Doshas) im Gleichgewicht
ist, dessen Verdauung und Stoffwechsel (Agni) gut arbeiten, dessen
Gewebe (Dhatu) und Ausscheidungsfunktionen (Mala) normal sind und
dessen Seele und Sinne sich im Zustand inneren Glücks befinden.
Die Doshas
Der Ayurveda - Arzt Caraka beschrieb die Beziehung zwischen Mensch
und Universum so: "Der Mensch ist das Abbild des Universums.
Was immer den Menschen in seiner Verschiedenheit ausmacht, formt
auch das Universum. Die Teile, die das Universum bilden, formen
wiederum den Menschen." Mit den "Teilen" sind die
fünf Elemente Wasser, Feuer, Erde, Luft und Äther gemeint.
Wir können die Doshas am besten als Bioenergien, als Wirkungsprinzipien
begreifen. Bewegung (Vata), Stoffwechsel (Pitta) und Struktur (Kapha)
wirken in jeder Zelle des Organsystems. Geraten die Doshas aus dem
Gleichgewicht, sammeln sie sich an ihren Hauptorten und bilden Ama.
Ama bedeutet "unreif" oder "unverdaut". Daher
werden unter diesem Begriff aus unverdauten Nahrungsbestandteilen
herrührende Stoffwechselschlacken zusam- mengefaßt. Bei
einem Kapha-Überschuß nimmt Ama die Form von Schleim
an, der sich in Magen und Lunge bildet und sich im Körper verteilt.
Bei einem Ungleichgewicht von Pitta sammelt sich Säure in Dickdarm
und Leber und verursacht Pitta-Krankheiten. Zuviel Vata bildet gasförmiges
Ama im Dickdarm - mit typischen Vata-Störungen.
Agni Doshas
und Agni stehen in Zusammenhang. Unbalancierte Doshas führen
in der Regel zu einer Verschlechterung des Agni - und umgekehrt.
Es ist wichtig, daß alle Konstitutionstypen auf ihre Verdauungskraft
achten. Menschen mit ausgeprägter Vata-Konstitution haben ein
eher unbeständiges Verdauungsfeuer mit unregelmäßiger
Verdauung, bei Pitta-Typen ist das Feuer meist ausreichend, bei
Kapha-Menschen träge, sie neigen zu langsamer Verdauung. Das
richtige Funktionieren von Agni, dem biologischen Feuer, das den
Stoffwechsel regelt, ist entscheidend für die Gesundheit. Lebensdauer,
Ausstrahlung, Stärke, Begeisterungsfähigkeit, Körperfülle,
Glanz, Immunität, Energie, Wärmeprozesse und vitaler Atem
hängen vom Körperfeuer ab. Man stirbt, wenn dieses Feuer
erlischt, man lebt lange frei von Störungen, wenn es seine
Aufgabe erfüllt, wird krank, wenn es geschwächt ist. Agni
wandelt alles Körperfremde - Nahrung, Eindrücke, Gefühle
- in Körpereigenes um. Es hat also mehrere Aufgaben: Es ist
verantwortlich für die Umwandlung der Nahrung in Körpersubstanz,
für den Aufbau und die Ausscheidung von Toxinen und Schlacken
und damit für die Reinheit unseres Verdauungstrakts. Frische,
Intelligenz, Schönheit von Körper und Geist sind die Früchte
eines gesunden Agnis. Ein Konflikt, eine traumatische Erfahrung,
eine Kränkung liegen ebenso schwer im Magen wie unverdaute
Nahrung. Die im Westen bekannte Redewendung "der Mensch ist,
was er ißt" müßte eher lauten: der Mensch
ist, wie er verdaut. Was nützt gesunde, vollwertige Ernährung,
wenn sie wegen geschwächter Agnis nicht richtig verdaut werden
kann? Ama verschiedenster Form ist die Folge, es kommt im Darm zu
Gärungs- und Fäulnisprozessen. Alkohole bilden sich, unerwünschte
Keime siedeln, später können sich Pilze, Viren und Bakterien
entwickeln. Appetitlosigkeit, Lethargie, Zungenbelag, Mundgeruch,
übelriechende Ausscheidungen, Verstopfung oder Durchfall, Blähungen,
Völlegefühl, Aufstoßen, Über- oder Untergewicht,
mühevolles Erwachen, vermehrter Schleim, stumpfer Teint, nichtglänzende
Augen, Schwindel und allgemeine Schwäche - das alles weist
auf geschwächtes Agni und angesammeltes Ama hin. Die Schwächung
des Immunsystems bereitet den Weg für Erkältungen, Grippe,
Allergien, Arthritis und andere Krankheiten. Auf der emotionalen
Ebene zeigen sich bei gestörtem Agni Antriebslosigkeit, mangelnde
Kreativität und geringes Durch- setzungsvermögen.
Stärkung des Agni
Die Pflege des Verdauungsfeuers ist für unsere Gesundheit und
Lebensfreude ganz wichtig. So empfiehlt Ayurveda die Beachtung bestimmter
Essensregeln. Kalte Getränke z.B., die vor oder während
Mahlzeiten serviert werden, vermindern oder "löschen"
sogar die Verdauungskraft. Das Agni wird auch gestört, wenn
- die Nahrung im Verhältnis zur Verdauungskraft zu schwer
verdaulich oder zu üppig ist
- zu häufig gegessen wird
Mahlzeiten ausgelassen werden oder über längere Zeit
gefastet wird
- gefrorene, zu kalte oder alte Nahrung verzehrt wird
- auf starke Genußmittel nicht verzichtet wird
- abends die Hauptmahlzeit oder eiweißreiche Kost serviert
wird
- beim Essen gelesen, ferngesehen oder gestritten wird
Das Essen zwischen den Mahlzeiten (Kuchen, Snacks u. ä.) unterbricht
den Verdauungsprozeß und läßt unverdaute Nahrung
als Ama zurück. Gleichzeitig wird verhindert, daß sich
ein richtiger Rhythmus ergibt. Das Essen zwischen den Mahlzeiten
ist ein Hauptgrund für das Entstehen von Ama.
Ayurveda und Fasten
Im Ayurveda wird totales Fasten nicht empfohlen, da es Vata im Körper
vermehrt. So wird eher zu einem Teilfasten geraten, abhängig
vom Konstitutionstyp und vom Krankheitsbild. Beim Voll- und Wasserfasten
ruht das Verdauungsfeuer, es kann nachhaltig geschwächt werden.
Wird das Fasten dann gebrochen, ist das Agni zu schwach, um die
Nahrung zu verdauen, viele Menschen nehmen daher nach totalem Fasten
oder der Mayr-Kur unverhältnismäßig zu. Ayurvedisches
Fasten zielt dagegen auf die Wiederherstellung einer starken Verdauungskraft
bei gleichzeitiger Verminderung von Ama. Ein solches Teilfasten,
das aus einem geringen, bekömmlichen Nahrungsangebot besteht,
entfacht das Verdauungsfeuer und verbrennt Schlacken und Toxine.
Ayurveda - Champagner
Hinter diesem verlockendem Namen verbirgt sich eine so einfache
wie wirkungsvolle Rezeptur - abgekochtes Leitungs- oder Mineralwasser.
Kochen Sie morgens 20 bis 30 Minuten lang Wasser und halten Sie
es in einer Thermoskanne warm. Sie trinken es schluckweise möglichst
heiß über den ganzen Tag verteilt. Durch das Köcheln
verbessert sich der Geschmack des Wassers, der mit Ingwer oder Zitronensaft
variiert werden kann. Die alten Weisen Indiens wußten bereits,
daß sich durch das Köcheln die Molekularstruktur des
Wassers verändert. Es wird "leichter" und so vom
Körper schneller absorbiert, dringt tiefer in das Gewebe ein
und bewirkt eine schonende, aber intensive Ausleitung von Giftstoffen.
Das regelmäßige Trinken dieses "Champagners"
entfaltet noch viele andere Heilwirkungen.
Ghee und Ingwer
Zwei herausragende Mittel zur Reinigung und Stärkung sind Ghee
und Ingwer. Ein den Mahlzeiten beigefügter Eßlöffel
Ghee verbessert den Geschmack und unterstützt die Verdauung.
Die anregende Kraft des Ingwers stimuliert den Darm und sorgt für
rasche Ausscheidung von unerwünschten Stoffen. Ingwer fördert
auch die Zirkulation des Bluts und anderer Körperflüssigkeiten,
löst Verkrampfungen, weitet die Adern und entlastet so das
Herz. Ingwerpulver leistet besonders gute Dienste bei der Entgiftung,
frischer Ingwer wirkt eher auf die Körperoberfläche. Alle
unsere Kräfte lassen sich zur Optimierung einer Reinigungsphase
nutzen. So empfiehlt Ayurveda ein siebentägiges Teilfasten
beim Wechsel der Jahreszeiten im März und September. Teilfasten
an Vollmond, Neumond oder bei abnehmendem Mond hat eine besonders
gute Wirkung.
Zusätzliche Reinigung
Abführen und Einläufe unterstützen den Körper
bei der Reinigung. Ein Einlauf vermindert Ama im Dickdarm, Abführen
wirkt gegen Vermehrung von Pitta im Dünndarm. Abführen
empfiehlt sich zu Beginn der Reinigungstherapie, an deren Ende zunächst
ein Einlauf ohne Fett, dann ohne Fett stehen sollte. Die tiefgreifendste
Methode zur körperlichen und seelischen Entschlackung und Wiederherstellung
des dynamischen Gleichgewichts ist die Panchakarma-Therapie. In
der Vorkur wird durch Ölanwendungen, Dampfbäder, besondere
ayurvedische Medikamente, Diät und andere Maßnahmen das
Ama aus dem Gewebe gelöst und zurück an seine Hauptlokalisation
geführt. Von dort wird es, je nach Diagnose, durch Erbrechen,
Abführen, Einlauf, Reinigung der Nasennebenhöhlen oder
Blutreinigung ausgeleitet. Die alten Schriften des Ayurveda empfehlen
zwei solcher Kuren pro Jahr. Sie dienen der Vorbeugung genauso wie
der Heilung, auch bei chronischen Krankheiten. Die Reinigung findet
auch in der Psyche statt und gibt damit Raum für positive Lebensgefühle
Heilpraktiker Norbert W. Fischer, Stuttgart,
Ayurvedic Health Care Resorts (Sri Lanka).
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